Nintendo gegen Raubkopierer… und die Mathematik…und für die Internetsperren…

Gerade lese ich in einem Artikel auf Heise.de folgendes:

Laut dem Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) wurden in Deutschland im ersten Halbjahr 2009 insgesamt 5,1 Millionen Spiele für mobile Konsolen verkauft – ein Rückgang um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz brach um 21 Prozent auf 136 Millionen Euro ein.

Also… ähm… *räusper*… wir durchleben gerade eine Wirtschaftskrise allerersten Ranges. Da ist ein Umsatzeinbruch von 13% eigentlich kaum der Rede wert. Die im Artikel erwähnten Raub-Module sind schon seit über 3 Jahren auf dem Markt und erst jetzt fällt es ihnen auf, dass man da ‚was machen müsste‘? Es ist im übrigen auch nicht auszuschließen, dass die großen Umsatzzuwächse der letzten 2 Jahre u.A. auch daher rührten, dass es eben so pipi einfach ist, sich ein Spiel aus dem Internet zu besorgen und per Raub-Modul auf dem NDS(i) zu spielen.

Statt die Chance zu ergreifen die Renovierung der NDS-Konsole als NDSi wieder wasserdicht zu machen, hat man im Gegenteil das Ding sogar so kompatibel gemacht, dass auch die alten für NDS gedachten Raub-Module weiterhin funktionieren. Großartig gemacht, Nintendo!

Auf der Wii hat sich Nintendo sogar mal etwas Mühe gegeben und kurzzeitig die Raubkopierer ausgesperrt – und mit dem letzen Update der Konsole dann doch wieder Tür und Tor für die Raubkopierer geöffnet. Im Übrigen: Wozu sollte noch jemand eine über Hardware modifizierte Konsole (ver)kaufen, wenn das alles inzwischen jeder einigermaßen begabte Mensch ohne Probleme durch die Installation reiner Software auf der Wii machen kann, als ohne auch nur eine einzige Schraube an der Wii zu berühren?
Statt auf Hinweise aus der Homebrew-Szene zu reagieren und sich sagen zu lassen, wo die Löcher in der Implementierung der Sicherheit auf der Wii sind, hatte man im Grunde schon lange kapituliert und in Kauf genommen, dass sich die Wii ja gerade wegen der Raubkopien so gut verkauft! Das, was Spiele-Zeitschriften schon lange von Nintendo fordern, nämlich die Möglichkeit eine Festplatte anzuschließen und Spiele (legal natürlich) darauf zu speichern und abspielen zu können, das hat die Raubkopierer-Szene schon vor einem halben Jahr selbst auf die Beine gestellt. Gleiches gilt auch für die NDS(i), bei der eigentlich alle erwartet hatten, dass es irgendwann günstige Download-Spiele geben wird.

Nintendo hat viele Chancen verspielt gegen die Szene vorzugehen bzw. ihr den Wind aus den Segeln zu nehmen und haut jetzt mal wieder Medienwirksam auf den Busch. Das haben sie schon mal gemacht und angedroht die ganzen Bastel-Buden,die Chips in die Wii modden, dicht zu machen. Passiert ist da eigentlich nichts. Die meisten Läden bieten das weiterhin an – und verdienen gut daran. Wer suchet der findet, wie es so schön heißt. Dass diese Chips mittlerweile nicht mehr nötig sind sorgt natürlich bei denen jetzt für Umsatzeinbrüche, aber es gibt ja noch andere Konsolen…

Ich behaupte, bei Ninten sind einfach nur ein paar Aktionäre zu beschwichtigen, und natürlich auch die Software-Industrie, die man jetzt glauben machen will, dass Nintendo auf ihrer Seite ist. Dass sie dabei falsches bzw. fahrlässiges Spiel treiben bzw. getrieben haben, das wissen im Grunde alle Beteiligten, aber solange der Riese nur laut genug brüllt, werden die Zwerge schon still schweigen. Oder überhört.

Vergleicht man die Preise von NDS-Raub-Modulen mit denen eines gekauften Spieles, so ist sogar mathematisch nicht sonderlich begabten Kids klar, dass spätestens nach 3 Spielen der ROI erreicht ist. Denen klar zu machen, wieso man ein Spiel kaufen sollte, das einem Spaß macht, ist vertane Liebesmüh.

Apropos Mathematik!
Ich hätte gerne noch gewusst, wie sich die 13 Prozent weniger verkaufter Spiele mit den 21 Prozent Umsatzverlust in Deckung bringen. Ich muss wohl damals im Unterricht extrem gut geschlafen haben. Wir bestimmt nichts mit Mengenlehre zu tun haben, sondern mit schön gerechneten Zahlen.

„Sie sind technisch dazu in der Lage, gegen Kinderpornographie vorzugehen. Sie sind in der idealen Position, auch gegen jede Form von Urheberrechtsverletzungen vorzugehen.“

Was war da noch? Die Piraten und viele andere haben es gesagt: Die Installation der Zensur-Infrastuktur durch Zensursula wird viele Neider und Trittbrettfahrer auf den Plan rufen. Und klar ist auch, wer da eigentlich spricht – nämlich die Rechtsberater, die eigentlich für die Musik-Industrie arbeiten.