Beiträge aus der Kategorie "technisch"

Dockstar auf Debian-Basis ala Jeff Doozan

Schon seit längerem verwende ich als eMail-Server eine sogenannte Slug, das ist der Spitzname für die NSLU-2 von Syslink. Durch verschiedene Projekte ist man als begabter Benutzer in die Lage versetzt auf diesem winzigen Gerät, das eigentlich als NAS für Heimnetzwerke gedacht ist, ein vollständiges Debian Linux zu installieren und damit sehr viel mehr zu machen als ursprünglich vom Hersteller gedacht war.

Hauptvorteil solch kleiner Geräte ist die geringe Stromaufnahme und absolute Stille mit der sie arbeiten – mit einer Festplatte sind sie natürlich dann doch hörbar, aber immer noch sehr, sehr leise und gar kein Vergleich zu einem vielleicht schon ausgemusterten alten Rechner, der locker das 10fache an Strom und Lärm produziert.

Meine Slug ist schon recht alt, nicht mehr erhältlich und hat mir schon Probleme bereitet, scheinbar stirbt nach ein paar Jahren einfach das Netzteil. Da das Backup des Systems nicht ganz einfach ist und ein identischer Ersatz nicht für wenig Geld in Sicht, habe ich mich schon länger umgesehen, was sich in dieser Sparte neues tut und zuletzt bin ich auf die Dockstar gestossen, die von Seagate produziert wird.

Im letzten halben Jahr hat Seagate die Geräte teilweise zu 25 Euro raus gehauen und ich hatte die Gelegenheit 2 Stück bei einem Händler in der Nähe abzugreifen. Derzeit ist der Preis leider schon weit über die 80 Euro Marke gestiegen, auch bedingt dadurch, dass sich viele andere Benutzer, so wie ich einer bin, das Gerät für ganz andere Zwecke zugelegt haben als vom Hersteller gedacht. Mittlerweile scheint es die Geräte auch gar nicht mehr im normalen Handel zu geben, zumindest, wenn man die diversen Preissuch-Maschinen bemüht. Importe aus UK bieten sich zwar an, sind aber auch nicht wirklich günstig. In der USA scheinen im Moment einige Chargen auf ebay aufzuschlagen, die Transportkosten nach hier sind aber auch nicht zu verachten.

Auch bedingt durch den vorübergehend super günstigen Preis hat sich den letzten Monaten hat eine kleine Community um das Gerät gebildet, das in seiner Hardware stark von dem sogenannten Sheeva-Plug abgeleitet ist, und Patches eingebracht, die den Umgang damit erleichtern und so z.B. die Front-LED ansteuerbar machen, was in bestimmten Fällen durchaus nützlich sein kann.

Zur eigentlichen Hardware:
- Prozessor ist ein ARM-Gerät das mit einem Gigaherz läuft.
- Speicher 128 MByte RAM
- 3x Standard USB + 1 Mini-USB-Anschluss (hier passen nur die Platten für die Dockstar drauf, dafür schön Platz sparend)
- 1 GB Netzwerk-Anschluss!

Die Dockstar hat einen einfachen Bootloader (uBoot) und das eigene Betriebssystem genannt Pogoplug. Beides findet sich im internen Flash-Speicher der Dockstar.. Der Bootloader ist tatsächlich sehr einfach gehalten und eigentlich nur dazu da, das Betriebssystem zu starten. Im Original ruft das Betriebssystem dann als DHCP-Client über den heimischen Router beim Pogoplug-Server an und stellt dann die Daten von angeschlossenen Festplatten über das heimische Netz und zusätzlich auch im Internet bereit. Eigentlich ein netter Dienst, für mich aber komplett uninteressant.

Will man die Dockstar mit einem eigenen Debian bestücken, so empfiehlt es sich auf der Seite von Jeff Doozan herein zu schauen und sich den dortigen Bootloader zu installieren (Achtung! Der Bootloader ist ein zentrales Element der Dockstar. Geht dort beim flashen etwas schief, ist die ganze Kiste im Eimer und kann nur noch durch einige wenige Freaks Spezis wiederbelebt werden).
Der neue Bootloader ist ein wenig weiter entwickelt als der originale, hat aber natürlich lange nicht den Komfort z.B. eines PC-Bios – wie auch, man ist ja bezüglich Bildschirm und Tastatur etwas unterversorgt. Ein großer Vorteil von Doozans Bootloader ist aber nicht nur, dass er nicht nach Hause telefoniert und dass er zuverlässig von externen Medien bootet, sondern auch, dass er in der Lage ist, über eine sogenannte netconsole fast wie bei einer seriellen Verbindung in den Bootvorgang hinein zu schauen und diesen sogar unterbrechen bzw. manipulieren zu können (dafür sollte man sich besser ein wenig mit Linux auskennen und einen Linux-Rechner in Betrieb haben – rein praktisch bietet sich aber natürlich auch eine weitere Dockstar dafür an!).
Die Netconsole ist auch eine sinnvolle Alternative zu einer selbst erstellten seriellen Hardware-Verbindung über ein USB-Kabel wie z.B das DK-42 für Nokia-Handys die man dann benötigt, wenn ansonsten gar nichts mehr zu gehen scheint. Und das kann schneller passieren als man denkt. Also das Netconsole-Prozedere so früh wie möglich einrichten und auch ausprobieren, es schadet dem normalen Boot-Vorgang überhaupt nicht.

Danach wird man entweder mit einem USB-Stick oder einer Festplatte weiter machen und sich das von Jeff schon länger verfügbare Debian Squeeze (Lenny ist einfach zu alt) installieren und einrichten. Ist der Bootloader korrekt installiert, wird das Gerät auch immer sauber von der Platte oder dem Stick booten.

Manchmal ist allerdings mal der Wurm drin.
Das kann ein vergessenes oder falsches setzen der sogenannten arcNumber sein oder auch ein gestörtes Debian oder ein defektes Filesystem auf dem Boot-Medium. Und für den Zweck der Behebung solcher an sich trivialen Angelegenheite hat Jeff schon vor einiger Zeit einen kompletten Ersatz für das stark veraltete und nicht gut ausgestattete Pogoplug (das auf Linux basiert) geschaffen: Das Rescue System. Das ist eigentlich ein ganz normales Debian Linux, das aber komplett die Pogoplug-Software in der Dockstar ersetzt. Vorteil ist, man kann die Dockstar auch ohne Bootmedium starten lassen und dann von dieser Rettungs-Plattform mit den diversen Bordmitteln helfend eingreifen. Das ist extrem nützlich, sofern man sich damit auskennt und funktioniert im Grunde so, wie eine Rettungs-CD für Standard-PCs, die auf irgend einem beliebigen Linux basiert.

Allerdings hat Jeff da auch einen kleinen Bock geschossen. Als er das System erdachte war die aktuelle Version von Debian für die Dockstar nicht viel mehr als eine erweiterte Version der bereits für den Sheevaplug existierenden Version. Und genau da liegt das Problem. Um es genauer zu verstehen muss ich noch erwähnen, dass die verschiedenen Plattformen in der embedded ARM-Welt (das ist der Prozessor) über eindeutige Hardware-IDs unterschieden werden. Zu Anfangs hat man für die Dockstar dabei einfach die vom Sheevaplug übernommen (2097) und sozusagen überladen. Später haben sich weitere Programmierer wie Eric Cooper alias ecc daran gemacht, Debian für die Dockstar weiter anzupassen und dabei wurde eine neue Hardware-ID verwendet (2998).

Nun ist es so, dass man ein aktuelles Debian auf ein Boot-Mediaum installieren kann, das mit der ID 2998 läuft und das unter Verwendung dieser ID z.B. auch sauber mit der LED auf der Vorderseite der Dockstar umgehen kann. Die ID 2998 ist aber der ‘veralteten’ Version des Rettungs-Systems komplett unbekannt und somit bootet sie nicht damit. Der bereits erwähnte Boot-Loader muss aber vorab auf die spezielle ID eingestellt werden und so kommt man zu dem Dilemma, dass das System zwar vom Boot-Medium bootet, aber nicht mehr in das Rescue-System, was für eine Rettungs-Plattform ein klein wenig suboptimal ist. Oder eben dass das System auch in das Rescue-System starten kann, aber das aktuelle Debian dann keine Unterstützung mehr für die LED aufbringen kann, weil es unter der ID 2097 läuft, was eine unnötige Beschneidung der Fähigkeiten der Dockstar darstellt.

Diesem Problem bin ich nachgegangen und habe es für mich gelöst.

Näheres dazu in diesem Forum und in diesem Eintrag.

Kurz beschrieben habe ich das von Jeff Doozan vorgestellte buildroot in der neuesten Version verwendet und seine Vorlage angepasst und um mir mein eigenes Rescue-System zu compilieren. Das ging leider nur auf meinem Ubuntu-Notebook, da das buildroot-System auf der Dockstar ein paar blöde Probleme hat. Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass das buildroot-System auf einem nativen System Probleme mit dem Cross-Compiling zu dem identischen Prozessor hat, unter dem es gerade läuft. Wie auch immer, es funktioniert bei mir nur auf dem Notebook.

Warum ich das hier alles schreibe? Weil ich vermute, dass es noch andere deutschsprachige Leute gibt, die ähnliche Probleme beim Betrieb der Dockstar haben wie ich. Es gibt zwar schon ein paar Blogs, die sich mit dem Thema der Dockstar beschäftigen, die aber diese Information nicht konzentriert zusammen fassen, sondern nur ein paar Lose Artikel dazu veröffentlich haben, die teilweise leider auch schon wieder veraltet sind.

Update: Theme Wechsel…

… nicht etwa, weil ich nicht mehr an die Piraten-Partei glaube, sondern weil das Theme in der Einzelansicht nicht mehr funktioniert.

Sobald ich Zeit habe, kümmere ich mich darum.

edit sagt: Ich habe das Theme auf den neuesten Stand gebracht, es fehlen zwar noch zwei oder drei Kleinigkeiten, aber zumindest funktioniert die Einzelansicht im Moment wieder :-)

Die Wii und der 1. April

Heute jährt sich zum zweiten mal ein besonderer Tag für jene, die sich irgendwann mal die Wii-Firmware geändert haben, bzw. haben lassen.

Eines der wichtigsten Programme in dem Zugsammenhang ist der sogenannte “Preloader”, der in der Version 0.29 dafür sorgt, dass man z.B. statt des normalen Systemmenüs direkt in den Homebrew-Channel gebootet wird. Es ist auch ansonsten nützlich, sozusagen als Barriere gegen ungewollte Modifikationen durch neue Spiele, die sonst ungefragt neue Firmwares aufspielen könnten.

Dieses Programm ist aber schon letztes Jahr Stein einigen Ärgers gewesen, und ein Bekannter hatte das Problem und hat mich telefonisch um Hilfe gebeten. Beim Booten kam nämlich die Meldung

now repairing, do not power off

.

Eigentlich ist die Meldung harmlos und kann mit Druck auf die “A”-Taste der Wiimote übersprungen werden und soll auch nur eine April-Scherz darstellen. Es gibt aber wohl einige unvorsichtige oder über-vorsichtige Menschen, die veranlasst durch die Meldung in Panik geraten sind und unverzüglich diverse Systemdateien gelöscht und sich die Wii damit oder auf andere Weise beschädigt haben.

Daher hier mein Eintrag. Möge er im Google möglichst leicht zu finden sein, auf dass andere nicht in die Falle tappen die eigentlich gar keine ist.

Ein Meilenstein für Riffer

Bis vor einer Woche war ich recht zufrieden mit dem, was mein N82 von Nokia – dem ehemaligen Marktführer in Europa – so alles konnte. Da hatte ich abonnierte und automatisch über WLAN herunter geladene Podcasts, konnte mit Route66 fast immer meinen Weg finden, habe schnell mal eben meinen Kontostand geprüft und als Wecker leistete es ebenfalls gute Dienste.

Dann habe ich mich – angeregt durch einen Beitrag bei Daniel – mal etwas mehr für Android interessiert. Die Möglichkeiten für Programmierer sind ausgewogen, jedoch werden Applikationen nicht, wie vielleicht anzunehmen in C oder C++ geschrieben, sondern in Java mit einer entsprechenden SDK dabei. Ein spezieller Compiler macht dann aus dem herkömmlichen Java einen für das Handy speziell angepassten und der ist quasi ebenso schnell wie wie C/C++ geschriebene und für den Prozessor compilierte Programme.
Die Einbindung von nativen Routinen hat man aber ebenso vorgesehen, jedoch eher um bestehende Routinen eher als Hilfsbibliothek für in Java geschriebene Programme bereit zu stellen. Das von Google bereit gestellte NDK ist insgesamt wesentlich weniger Umfangreich als die sonstigen Routinen und das komplette User-Interface kann komplett nur in Java betrieben werden.

Nachdem meine Neugier – als Entwickler von Software ebenso, wie als altes Spielkind welches ich immer noch bin – geweckt war, stand die Entscheidung fest, dass möglichst bald ein Android Handy angeschafft werden würde. Und das habe ich dann auch getan. Vielleicht etwas früh, denn in diesem Jahr wird wohl eine Vielzahl von Android Handys auf den Markt kommen. Von den aktuellen habe ich jetzt auch nicht das schnellste, sondern eher das wertigste und trotzdem noch kostengünstige Motorola Milestone gekauft. Zuerst war meine Wahl auf das Liquid von Acer gefallen, aber Berichte in diversen Foren über zerstörte Displays nach harmlosen Fallern haben mich dann doch abgeschreckt. Das Display ist im Vergleich dann auch nicht ganz so gut, obwohl das Gerät mit 768 MHz zu den derzeit schnellsten gehört. Dem Display des Milestone oder “Steins” wie Fans wohl auch sagen ist so schnell wohl auch kein Gegner gewachsen. Selbst die grellbunten AMOLEDs die derzeit auf dem Markt für Aufsehen sorgen sind ihm meiner Meinung nach weit unterlegen, denn sie sind bei Tageslicht – also draussen – fast nicht mehr erkennbar.
Und da ich mit meinem Android Handy natürlich alles machen können wollte, was ich auch mit dem Nokia machen konnte, habe ich eben auch auf ein bei Tageslicht gut lesbares Display wert gelegt. Ein Kollege würde vermutlich jetzt sagen, wozu, ich gehe ja sowieso nie raus, aber das ist nur seine private Meinung. Ein weiterer Pluspunkt ist die ausschiebbare Tastatur, die bei ‘schwierigen’ Wörtern, bei denen die Bildschirmtastatur – für die es aber auch noch eine wirklich tolle Ergänzung gibt – nicht mehr so brauchbar ist, wirklich gute Dienste leistet, auch wenn sie für meine Hände sehr klein ist und ich sie praktisch nur mit den Daumennägeln bedienen kann.

Kurzum: Whow!

Ich bin wirklich beeindruckt, was so ein Android Handy alles kann. Ich meine, wer hätte vermutet, dass es sogar möglich ist damit Metall in der Wand zu finden? Oder dass ein elektronischer Kompass drin ist? (Vermutlich der gleiche Baustein?). Oder dass das für 29,- Euro wirklich preiswerte Navi “Copilot” sogar die TTS-Engine verwendet und damit in der Lage ist, die Straßennamen vorzulesen? Oder dass es mittlerweile über 30.000 Anwendungen (das Wort App mag ich gar nicht, meine Freundin schäumt da jedesmal..) für das Gerät gibt?
Das Handy löst sogar meinen althergebrachten Rockbox-MP3-Player ab, einfach weil es den Mortplayer gibt und dieser für Hörbücher ganze Arbeit leistet. Dazu kommt noch die zuverlässige Kopplung über Bluetooth an mein Autoradio.
Apropos Bluetooth. Das Milestone kann sogar gleichzeitig über das Navi Sprachanweisungen auf dem Autoradio ausgeben und gleichzeitig mein Earset handhaben. Das zumindest konnte mein Nokia nicht.