Beiträge aus der Kategorie "menschlich"

Gesichter

Irgendwie ist es meiner Freundin unheimlich, wenn ich in Filmen Darsteller wiedererkenne die ich bereits aus anderen Filmen kenne und ihr sofort die andere Rolle nennen kann, auch wenn ich weder den Namen des Darstellers noch den Namen seiner Rolle abspulen kann, sondern nur die Rolle zu beschreiben in der Lage bin. Meist fällt mir nicht mal der Name des anderen Films ein.

Vorhin ist mir selber mal wieder aufgefallen wie weit das geht. Da steht in einer absolut winzigen Nebenrolle als Chauffeur in “James Bond – Octopussy” ein Mann neben einem Auto um einer Dame ins Auto zu helfen und ich erkenne ihn sofort wieder als den Darsteller von Sandokan. Kabir Bedi. Und als ich seine Filmographie auf Wikipedia gelesen habe fand ich mich bestätigt. Manchmal staune ich selber darüber.

Der Klang der Stille

Vor ein paar Tagen fing ein Gasrohr im Keller unter meiner Wohnung an zu röhren. In ca. 20 minütigen Abständen ertönte ein stöhnen und wummern im Rohr, hörte sich so ähnlich an wie ein Elefant mit verstopftem Rüssel der qualvoll versucht Luft dadurch zu holen und es gerade so noch schafft.
Beunruhigt dadurch habe ich am Freitag das zuständige Gasunternehmen angerufen und die Störungsstelle machte mir – wenig beunruhigt – einen Termin für Dienstag morgen.

In der Nacht von gestern auf heute hat sich irgendwann gegen 05:00 Uhr das Geräusch drastisch gewandelt. Aus dem gerade noch zu ignorierenden Röhren – mit Ohrenstöpseln geht fast alles – wurde ein geradezu bedrohliches Rumpeln. Gerade so, als würde ein Betonmischer einen Haufen von Stahlschrauben durch die Mangel drehen und dabei auf einem variablen Sockel ständig gegen meine Wand schlagen. Und das direkt auf der anderen Seite der Schlafzimmerwand. Und aus dem Keller. Von dem Stahlrohr das aufgrund seines roten Anstriches als Gasrohr identifizier bar ist. Eins und eins zusammengezählt wurde daraus: Die Therme nebenan – ein frisch brach gelegtes DPD Agentur-Büro – gibt gerade den Geist auf und droht möglicherweise zu explodieren?!

Über Nacht hatte ich noch die Feuerwehr im Haus, die außer Gas abstellen allerdings nichts machen konnte, da keine konkrete Personengefahr (“wenn da keiner drin ist, und in Gefahr, dann dürfen wir da auch nicht eindringen”) bestand. Ab ca. 05.00 Uhr waren wir wach. Und heute morgen durfte ich dann erfahren, dass der Ex-Mieter des Büros den Türschlüssel an meinen Nachbarn abgegeben hat – wie mit dem Vermieter, den ich in der Nacht nicht erreichen konnte abgesprochen – hätte ich das gewusst, ich wäre sicherlich sturm gelaufen. Der Nachbar hatte den Vermieter bereits gerufen. Ab 12:00 Uhr etwa war endlich Ruhe. Der Defekt war offenbar die Umwälzpumpe, die durch abschalten der Therme und der Sicherung im Sicherungskasten endlich zum schweigen gebracht werden konnte.

Stille.

Und jetzt kommt dieser verdammte Sturm Xynthia und röhrt um das Haus herum. Und weht Gartenstühle in die Auffahrt. Und macht Unordnung wie damals Kyrill – ich bin mal gespannt, ob die Wälder aus dem letzten Ereignis gestärt hervor gegangen sind oder wir noch größere Schäden haben als damals. Zuzutrauen wäre es diesem Sturm.

Stille?!

Es ist nicht still. Der Sturm stürmt.

Und doch ist er um vieles angenehmer als diese durchgedrehte Therme.

Ruhe in Frieden!

In den letzten Jahrzehnten hat sich für die sogenannte ‘Raubkopierer’-Szene ein ganz besonderer Mensch als Vertreter der Gegenseite herauskristalisiert. Freiherr von Gravenreuth war schon in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts der Staranwalt der Urheberrechts-Industrie, die schon zu Zeiten des C64 ihre Umsätze durch die bösen Raubkopierer bedroht sahen.

Ich erinnere mich noch an Artikel aus der damaligen ASM (“Aktueller Softwaremarkt”, damals das Fachblatt für verspielte Computer-Besitzer) in denen unter anderem zu lesen war, wie von Gravenreuth und seine Kanzlei erfolgreich über Tauschbörsen-Anzeigen unter dem Namen “Tanja Nolte” und ähnlichen Pseudonymen Fallen für tauschwillige Schüler aufstellte. Es war auch zu lesen, wie sich von Gravenreuth auf sogenannten Copy-Partys einfand und dort nicht nur auf Ablehnung stieß.

Er war auch in den Jahrzehnten danach den Schülern von damals ein fester Begriff für die Verfolgung von Urheberrechts-Verstößen und hatte unter seinen Kunden bedeutende Namen. Wer einen Namen hatte, wandte sich an seine Kanzlei um Hilfe und das nicht ohne Grund – war er doch derjenige der die meiste Erfahrung mit all diesen Sachen hatte. Natürlich mischte er auch in der aufkeimenden Abmahn-Industrie mit und nicht zuletzt wurde genau dort aber auch klar, dass der strahlende Ritter unter dem weißen Klarlack seiner Rüstung mittlerweile einige Rostflecken verbarg. Das wurde spätestens dann klar, als er sich – in Folge einer angeblich unerwiderten Abmahnung – widerrechtlich, weil unter Vortäuschung falscher Tatsachen, die Domain eines traditionsreichen Medien-Unternehmens überschreiben lies.

Letztes Jahr habe ich schon mal über ihn geschrieben – von der grünen Welle im heise.de-Forum war die Rede. Und davon, dass er für diverse Straftaten endgültig ins Gefängnis sollte.

Vielleicht war der seelische Druck zu hoch, vielleicht hatte er sich aber auch in eine Lage manövriert in der er keinen Ausweg mehr sah. Der weiße Ritter ist nicht mehr. Er hat sich das Leben genommen. Vermutlich mit einer Kugel durch den Kopf.

Möge er in Frieden ruhen.

Stellvertretend für einen von vielen Kommentaren im heise.de-Forum in dem von Gravenreuth immer schon seine Gegnerschaft sehen durfte, möchte ich diesen hier zitieren, weil ich mich ihm inhaltlich voll anschließen kann (Quelle):

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10 Fragen an den Bücherfreund

Dieses Stöckchen habe ich mir bei Sanktleibowitz geklaut. Das lag da eh schon fast 3 Jahre herum…

1. Welches ist das längste und/oder langweiligste Buch, durch das Du Dich, aus welchen Gründen auch immer, erfolgreich hindurchgekämpft hast?
Champion Jack Barron von Norman Spinrad. Ist aber durchaus nicht langweilig. Aber sicher einer der schwierigsten und anspruchsvollsten Trivialtexte, den ich jemals gelesen habe!

2. Von welchem Autor kannst Du behaupten: “Von dem (oder der) habe ich wirklich jedes Buch gelesen!”
Terry Pratchett – die Bücher von der Scheibenwelt, die vielleicht viele kennen, sind aber nicht seine einzigen Romane.

3. Welches ist Dein liebster Klassiker (vor mindestens 50 Jahren veröffentlicht)?
Die Foundation-Trilogie von Isaac Asmimov. Ursprünglich 1951 erschienen. Und Jahrzehnte später weiter geschrieben.

4. Welchen Titel hast Du in den letzten Jahren sicherlich am häufigsten verschenkt?
Extraleben von Constantin Gillies – der Roman hat mich an meine Jugend erinnert. Habe ihn letztes Jahr 2x verschenkt.

5. Von welchem Autoren würdest Du nie wieder freiwillig ein weiteres Buch in die Hand nehmen?
Torn Chaines – hat die unsägliche Stahlfront geschrieben. Ein sogenannter Military-SciFi der aufs übelste die niederen Instinkte anspricht. Ich habe dazu auch mal hier im Blog etwas geschrieben.

6. Welches Buch hast Du mehr als zwei Mal gelesen?
Viele Bücher! Eines, das ich oft um die Weihnachtszeit herum lese liegt mir besonders am Herzen: Wintersonnenwende von Susan Cooper. Das hat mir meine ehemalige Latein-Nachhilfe damals geschenkt als es gerade frisch auf den Markt gekommen ist.

7. Welchen Titel hast Du erst nach einigen Seiten beiseite gelegt und dann tatsächlich später nochmals in die Hand genommen und durchgelesen?
Den ersten Teil der oben erwähnten Stahlfront – ich wollte sicher gehen, dass dieses Machwerk wirklich derart übel ist, wie ich zuerst glaubte. Und es hat sich voll bestätigt. Ich bin zwar gegen Bücherverbrennung, aber die beiden Bände, die ich im Hause hatte, sind sehr bald im Altpapier gelandet.

8. Wenn man Dich drei Wochen in eine Mönchszelle in Klausur stecken würde, und Du darfst nur drei Bücher mitnehmen, welche drei Titel würdest Du wählen?
Ich möchte tauschen: 3 Bücher gegen meinen MP3-Player mit einer Kapazität von 120 GiB auf dem recht viele Hörbücher sind, ein Ladegerät und natürlich Ersatzakkus ;-)

9. Bei welchem Titel sind dir schon mal ernsthaft die Tränen (nicht vor Lachen!) gekommen, obwohl es doch nur ein Buch war?
Ich weiß den Titel-Namen nicht mehr. Aber es ging um Delfine.

10. Welches sonst recht erfolgreiche Buch ist Dir bis heute ein großes Rätsel geblieben, d. h. Du hast es einfach nicht verstanden?
Ob es erfolgreich war, das weiß ich nicht, aber wir musste mal in der Schule “Die Judenbuche” interpretieren. Meine Lehrerin meinte in der dazugehörigen Arbeit dann schreiben zu müssen, “Du hast das Buch nicht verstanden.”