Der Würg von Deutschland…

Die blinden Anhörungen fanden meine Frau und ich noch ausnehmend gut, auch wenn wir nicht jede Entscheidung der Jury mittragen konnten.

Was wohl auch daran liegt, dass sie im Saal vermutlich erheblich mehr heraushören können als wir Zuschauer daheim, die mit einfachem Stereo abgespeist werden, der nicht mal richtig abgemischt wird.

Gestern war es dann aber einfach zu viel:

– Diese gegenseitige Lobhudelei der Teilnehmer und Anteilnehmer. „Ja, wenn solche Titanen aufeinander treffen, dann muss ja was Gutes raus kommen“ – geht es noch???
– Diese unsäglich schlechte Audio-Übertragung zwischen der Werbung (bei der einem deshalb dann die Ohren weg fliegen, wenn man seinen 5.1 Verstärker entsprechend aufgedreht und angepasst hat, um überhaupt irgendwie die Stimmen zu hören zu können. Es heißt ja Stimme, nicht Geräusche. Und gestern waren die Stimmen fast nicht zu hören. Und was man hören konnte klang nach ‚ey, ich brülle mir hier die Stimme raus, weil die Musik viel zu laut über sie gemischt wird!‘.
– Dieses ewig lange Gelaber mit Pseudo-Interviews in einer Mobilfunkanbieter-Werbe-Vorhölle während man auf den nächsten ‚Akt‘ wartet.
– Dieser verstrahlte Moderator, der solche hochwertigen Kommentare wie „ja, da hat der Dr. Ton aber ein Lob für Dich“ abgibt.

*KOTZ!*

Vielleicht nächstes Jahr wieder. Aber für dieses Jahr ist uns definitiv die Lust vergangen. Da half auch aller beschworener Lokalpatriotismus für die Wittenerin nichts. Ich will nicht mal mehr wissen, ob sie weiter ist. Mit ihren scheinbaren Ruhrpott-Sprüchen ist sie eh nur das Vorzeigemaskottchen der Sendung gewesen.

Übrigens: Witten ist ja mal voll rischtisch Ruhrpott. Na aber klar! So wie Hagen, Unna und Lüdenscheid. Echt ey! Glaubse nicht, wa?

Das Gedicht, das nicht von Tucholsky stammt

Gerade bin ich in einem öfter von mir frequentierten Forum auf eine Gedicht gestoßen, das angeblich von Kurt Tucholsky stammt.

Ich möchte hier gerne drauf hinweisen, das es eben nicht von ihm stammt! Mehr dazu hier und hier.

Aber hübsch ist es trotzdem:

Quelle

Höhere Finanzmathematik

Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen – echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft’s hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken –
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und – das ist das Feine ja –
nicht nur in Amerika!

Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen –
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.

Veröffentlicht unter Riffer