Der Klang der Stille

Vor ein paar Tagen fing ein Gasrohr im Keller unter meiner Wohnung an zu röhren. In ca. 20 minütigen Abständen ertönte ein stöhnen und wummern im Rohr, hörte sich so ähnlich an wie ein Elefant mit verstopftem Rüssel der qualvoll versucht Luft dadurch zu holen und es gerade so noch schafft.
Beunruhigt dadurch habe ich am Freitag das zuständige Gasunternehmen angerufen und die Störungsstelle machte mir – wenig beunruhigt – einen Termin für Dienstag morgen.

In der Nacht von gestern auf heute hat sich irgendwann gegen 05:00 Uhr das Geräusch drastisch gewandelt. Aus dem gerade noch zu ignorierenden Röhren – mit Ohrenstöpseln geht fast alles – wurde ein geradezu bedrohliches Rumpeln. Gerade so, als würde ein Betonmischer einen Haufen von Stahlschrauben durch die Mangel drehen und dabei auf einem variablen Sockel ständig gegen meine Wand schlagen. Und das direkt auf der anderen Seite der Schlafzimmerwand. Und aus dem Keller. Von dem Stahlrohr das aufgrund seines roten Anstriches als Gasrohr identifizier bar ist. Eins und eins zusammengezählt wurde daraus: Die Therme nebenan – ein frisch brach gelegtes DPD Agentur-Büro – gibt gerade den Geist auf und droht möglicherweise zu explodieren?!

Über Nacht hatte ich noch die Feuerwehr im Haus, die außer Gas abstellen allerdings nichts machen konnte, da keine konkrete Personengefahr („wenn da keiner drin ist, und in Gefahr, dann dürfen wir da auch nicht eindringen“) bestand. Ab ca. 05.00 Uhr waren wir wach. Und heute morgen durfte ich dann erfahren, dass der Ex-Mieter des Büros den Türschlüssel an meinen Nachbarn abgegeben hat – wie mit dem Vermieter, den ich in der Nacht nicht erreichen konnte abgesprochen – hätte ich das gewusst, ich wäre sicherlich sturm gelaufen. Der Nachbar hatte den Vermieter bereits gerufen. Ab 12:00 Uhr etwa war endlich Ruhe. Der Defekt war offenbar die Umwälzpumpe, die durch abschalten der Therme und der Sicherung im Sicherungskasten endlich zum schweigen gebracht werden konnte.

Stille.

Und jetzt kommt dieser verdammte Sturm Xynthia und röhrt um das Haus herum. Und weht Gartenstühle in die Auffahrt. Und macht Unordnung wie damals Kyrill – ich bin mal gespannt, ob die Wälder aus dem letzten Ereignis gestärt hervor gegangen sind oder wir noch größere Schäden haben als damals. Zuzutrauen wäre es diesem Sturm.

Stille?!

Es ist nicht still. Der Sturm stürmt.

Und doch ist er um vieles angenehmer als diese durchgedrehte Therme.

Ruhe in Frieden!

In den letzten Jahrzehnten hat sich für die sogenannte ‚Raubkopierer‘-Szene ein ganz besonderer Mensch als Vertreter der Gegenseite herauskristalisiert. Freiherr von Gravenreuth war schon in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts der Staranwalt der Urheberrechts-Industrie, die schon zu Zeiten des C64 ihre Umsätze durch die bösen Raubkopierer bedroht sahen.

Ich erinnere mich noch an Artikel aus der damaligen ASM („Aktueller Softwaremarkt“, damals das Fachblatt für verspielte Computer-Besitzer) in denen unter anderem zu lesen war, wie von Gravenreuth und seine Kanzlei erfolgreich über Tauschbörsen-Anzeigen unter dem Namen „Tanja Nolte“ und ähnlichen Pseudonymen Fallen für tauschwillige Schüler aufstellte. Es war auch zu lesen, wie sich von Gravenreuth auf sogenannten Copy-Partys einfand und dort nicht nur auf Ablehnung stieß.

Er war auch in den Jahrzehnten danach den Schülern von damals ein fester Begriff für die Verfolgung von Urheberrechts-Verstößen und hatte unter seinen Kunden bedeutende Namen. Wer einen Namen hatte, wandte sich an seine Kanzlei um Hilfe und das nicht ohne Grund – war er doch derjenige der die meiste Erfahrung mit all diesen Sachen hatte. Natürlich mischte er auch in der aufkeimenden Abmahn-Industrie mit und nicht zuletzt wurde genau dort aber auch klar, dass der strahlende Ritter unter dem weißen Klarlack seiner Rüstung mittlerweile einige Rostflecken verbarg. Das wurde spätestens dann klar, als er sich – in Folge einer angeblich unerwiderten Abmahnung – widerrechtlich, weil unter Vortäuschung falscher Tatsachen, die Domain eines traditionsreichen Medien-Unternehmens überschreiben lies.

Letztes Jahr habe ich schon mal über ihn geschrieben – von der grünen Welle im heise.de-Forum war die Rede. Und davon, dass er für diverse Straftaten endgültig ins Gefängnis sollte.

Vielleicht war der seelische Druck zu hoch, vielleicht hatte er sich aber auch in eine Lage manövriert in der er keinen Ausweg mehr sah. Der weiße Ritter ist nicht mehr. Er hat sich das Leben genommen. Vermutlich mit einer Kugel durch den Kopf.

Möge er in Frieden ruhen.

Stellvertretend für einen von vielen Kommentaren im heise.de-Forum in dem von Gravenreuth immer schon seine Gegnerschaft sehen durfte, möchte ich diesen hier zitieren, weil ich mich ihm inhaltlich voll anschließen kann (Quelle):

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