Grauen allerorten

Im Moment weiß ich nicht recht, was ich von der Medienwelt halten soll. Überall wird einem das Grauen ins Gesicht gehalten, im Falle von Haiti vielleicht zurecht, aber was sich derzeit in der Filmwelt tut, das gibt mir schon zu denken. Bis vor ein paar Jahren waren z.B. Vampire noch die bösen, bösen Blutsauger, verachtenswert und hergeleitet von einem transilvanischen Völkermörder. Dann kam Buffy ins Fernsehen und hat sie gekonnt nieder gemacht. Einen nach dem Anderen zerfielen sie computeranimiert zu Staub. Dann verliebte sie sich in einen Vampir und weil die Macher erkannten, dass dieser reichlich Fans um sich scharte, wurde ihm sogleich eine eigene Serie verpasst und er avancierte zum Guten – „der kleine Vampir“ könnte auch einen kleinen Teil der Akzeptanz geleistet haben. Und dann war da zwischendurch noch Wesley Snipes mit „Blade“ in der Rolle eines „Daywalker“-Vampirs, der ganz klar eine Heldenrolle gespielt hat. In der Folge kamen immer mehr Vampir-Filme auf den Markt, machten Kasse und sorgten dafür, dass sich das Publikum an diese Verkehrung der Werte gewöhnt hat.
Inzwischen reicht es schon, wenn ein Vampir die Hauptrolle inne hat und schon wird der Film zu einem Kassenschlager. Günstigerweise hat eine Buchserie die Vorlage geliefert und der letzte Teil soll wohl „Biss ins Gras“ heißen.

Ich frage mich, wo die Medienwelt ansonsten noch die Umkehr der Werte betrieben hat?

Hat sich z.B. ein gewisser Rollstuhlfahrer möglicherweise deshalb zum Finanzminister mausern können, weil die Medienwelt das so zugelassen hat, statt wie ein holländischer Reporter öffentlich Frau Merkel zu fragen, ob sie wirklich die Steuern von Millionen Bundesbürgern einem Mann anvertrauen will, der mehrere zehntausend Euro Spendengelder daheim ‚vergessen‘ hat?

Hat sich vielleicht deshalb die Sicht auf die Gewerkschaften dermaßen ins negative verkehrt, dass einige Arbeitnehmer diese für berechtigten Forderungen zu hassen beginnen weil sie den Arbeitgebern glauben schenken, dass diese Arbeitsplätze kosten, weil mit den Löhnen eben auch die Kosten steigen, statt zu erkennen, dass diese die letzte, einzige, berechtigte und notwendige Vertretung sind, die sie gegenüber bestimmten Arbeitgeber-Interessen und dem damit verbundenen Kapital haben? Dass die Gewerkschaften mit scheinbar überhöhten Forderungen in Verhandlungen eintreten müssen, um nach unten Spielraum zu haben, denn die Gegenseite stellt objektiv betrachtet nicht weniger überhöhte Forderungen?

All dieses scheint in einer kompletten Generation nicht mehr klar zu sein und sie glauben den Versprechen der Politiker, die von Arbeitsplatzsicherung schwadronieren, im Grunde aber lieber auf die Lobbyisten der Arbeitgeber hören, statt auf Gewerkschaften, die einfach nur noch Bestandssicherung betreiben und dabei gegen die immer stärker werdende Wirtschaft und deren internationalen Einfluss eigentlich komplett machtlos sind, denn Firmen wie Nokia oder General Motors spielen Staaten ohne Probleme gegeneinander aus. Da hilft auch nicht die EU und deren interne Absprachen. Denn wie immer ist den Politikern das eigene Hemd (die Wiederwahl und der Erhalt der Macht) näher als die Jacken der Arbeitnehmer anderer Länder.