Kommentar zu „Der Piratenfehler“

Helmut Rohe wirft der Piratenpartei in „Der Piratenfehler“ vor, zur Wahl mit zu wenigen Themen anzutreten und sich insgesamt zu karnevalistisch zu geben.

Hier mein Kommentar dazu:

In der kleinen Zahl der Themen liegt unter anderem auch eine große Chance, denn alle anderen Parteien, die – aufgeschreckt durch die Europawahl und die Piraten-Zuwächse – bemerkt haben, dass es da noch so etwas wie das Internet gibt und entsprechende Punkte (u.A.) in ihre Programme aufgenommen haben, werden sich nach der Wahl genau so schnell (nämlich als unnützen Ballast) wieder davon trennen, wenn sie in eine Koalition gehen.

Das kann und wird der Piratenpartei nicht passieren, denn sie vertritt nun mal ’nur‘ wenige Themen und steht für diese auch voll ein. Sie können diese auch nicht in irgendwelchen Koalitionen relativieren, wenn sie sich nicht gleich auflösen wollen.

Zur Karnevals-Thematik:
Die Piraten haben eben statt einem „Ortsverband“ lieber eine „Crew“.

Sie betreiben „Stammtische“ um Interessierten Einblick in ihre Ziele zu geben, das ist etwas was anderen Parteien komplett fehlt! Klar machen die ihre Sommerfeste, aber im Grunde sind sie doch recht elitäre Vereine in die man nicht so leicht hinein kommt.

Sie schreiben nicht „das ist unsozialistisch“, sondern „das ist unpiratig“.

Sie nennen sich lieber „Pirat“ statt „Genosse“.

Ich finde das absolut erfrischend! Ein neuer Wind weht (um mal wieder eine seemännische Metapher zu gebrauchen)!

Auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht albern herüber kommt. Mindestens so albern, wie wenn man das erste mal auf einen Parteitag einer etablierten Partei geht und sich deren Vokabular aneignen muss um ‚dazu‘ zu gehören.

Es ist gelebtes Partei-Wesen, wie man recht schnell erkennt, wenn man die Piraten-Mailing-Listen abonniert. Und verliert im Kontext schnell die erste Befremdlichkeit, wie man auch im letzten Absatz des Beitrags erkennen kann.

Und zuletzt: Die Zeit der Parteien, die alles abdecken können – oder zumindest behaupten das zu tun – ist vorbei. Die große Koalition hat doch gezeigt, dass dabei Themen die den Leuten wichtig sind, untergehen. Für die Zukunft wünsche ich mir ein Parteien-System in dem ich mir die Partei, die mein wichtigstes Thema sauber vertritt und dabei auch Kompetent vorgeht wählen kann. Also das Fachgeschäft, statt des billigen Sortimenters, der von allem ein wenig Ahnung hat, aber bei dem ich fast keine Tiefe vorfinde und der nur durch sein Marketing auffällt, aber nicht durch seine Kompetenzen.